Download WebSpeech     US-Schuldenuhr tickt nicht mehr


Das jüngste Wirtschaftswachstum im 2.ten Quartal 2000 in den USA läßt die Etatüberschüsse steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Armutsrate ist auf dem niedrigsten Stand seit 21 Jahren. Ebenso wie in einem privaten Haushalt oder in einem Unternehmen sind die Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht, die US-Schuldenuhr tickt nicht mehr (aus "Handelsblatt" vom 05. Oktober 2000). Weisen alle wirtschaftlichen Einheiten oder Teilnehmer einer Gesellschaft, einschließlich des Staates einen ausgeglichenen, nicht kreditfinanzierten Haushalt auf, so liegt nirgendwo eine Geldquelle, kein neues Geld wird dem Kreislauf zugeführt. Ich behaupte nun, der Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes wird von der staatlichen Schuldenaufnahme verursacht, ohne Verschuldung ware der Zuwachs +/- 0 %. Der absolute Betrag des deutschen Bruttoinlandsprodukt steigt ungefähr gleich der Höhe der Staatsverschuldung, wie in der folgenden Tabelle dargestellt ist (der Vergleich kann nur ungefähr stimmen, da dieser durch Abschreibung, private Verschuldung und Auslandsgeschäfte verzerrt wird).


 

Zuwachs Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Staatsneuverschuldung

2002

0,2% - 8,07 Mrd DM

159,9 Mrd DM

vorläufige
Werte

2001

1,9% - 72,27 Mrd DM

101,5 Mrd DM

2000

2,6% - 103,37 Mrd DM

34,0 Mrd DM

1999

2,5% - 96,93 Mrd DM

46,5 Mrd DM

1998

3,2% - 121,09 Mrd DM

50,5 Mrd DM

     

1997

2,9% - 105.09 Mrd DM

91,0 Mrd DM

1996

2,4% - 84,98 Mrd DM

131,0 Mrd DM

1995

4,2% - 145,21 Mrd DM

122,5 Mrd DM

1994

5,2% - 172,65 Mrd DM

108,8 Mrd DM

1993

2,7% - 85,30 Mrd DM

129,5 Mrd DM

 

Summe 93-97: 593,2 Mrd DM

Summe 93-97: 582,8 Mrd DM

Tabelle vom 8.September 2001


Ohne Neuverschuldung würde das BIP stagnieren. Der Kreislauf des Geldes ist ohne Neuverschuldung konstant, aber die Bevölkerung der meisten Staaten wächst, ferner entstehen ständig neue Kosten durch neu eingeführte Produkte und Konsumansprüche. Die neu hinzukommenden Kosten werden den Ressorts der althergebrachten Ausgaben abgezogen. Ein Verteilungskampf um das Bruttosozialprodukt findet statt. Wenn die USA in Zukunft keine Stattsverschuldung aufweisen wird, wird es dann umso erbitterte Verteilungskämpfe geben?


Sollte nicht grundsätzlich eine Geldquelle für das BIP geschaffen werden? Beispielsweise könnte jedem Bundesbürger 100,- DM monatlich vom Staat geschenkt werden (kostet ca. 100 Mrd DM jährlich oder ca. 2,5 % BIP), ohne dass der Staat eine Verbindlichkeit für das Geschenk übernimmt, das Geld wird also "neu gedruckt" und die Geldmenge dem jährlich steigendem Wohlstand angepaßt.


Heidelberg, den 10. Oktober 2000

Mathias Schmitz

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